Nach dem iMac von 2011 war das nächste alte Apple-Gerät dran. Diesmal ein Notebook — von mir aus Gewohnheit als „PowerBook" bezeichnet, was schon der erste Denkfehler war. Die Geschichte ist kürzer als die des iMac und fast langweilig. Fast. Denn am Ende stand ein Haken, auf den man nur kommt, wenn man dem System nicht glaubt.
Die Ausgangslage
Das Gerät meldet sich als MacBookPro8,1: das 13"-MacBook-Pro von Ende 2011,
Intel Core i5-2435M mit 2,4 GHz, 8 GB RAM. Also kein PowerPC-PowerBook, sondern
ein ganz normaler x86-Mac — weshalb Linux hier grundsätzlich problemlos läuft.
Und, angenehm im Vergleich zum iMac: nur eine GPU, die integrierte Intel
HD 3000. Kein zweiter Grafikchip, keine ans falsche Panel verdrahtete Radeon,
kein nomodeset-Drama. Der i915-Treiber übernimmt, fertig.
Ich hatte hier auch schon einmal den OpenCore Legacy Patcher ausprobiert, das funktioniert. Aber macht die Maschine todeslangsam. Allein das Booten dauert zwischen 3 und 5 Minuten. Und ein Update, ist ein Job für mehrere Stunden.
Der Linux-Live-Stick bootete sauber in den Desktop. Die Installation dagegen brach ab.
Die abgebrochene Installation
Der wahrscheinlichste Grund: Beim Schritt mit den Drittanbieter-Treibern und Updates will der Installer Pakete nachladen — unter anderem den WLAN-Treiber. Nur funktioniert das WLAN zu diesem Zeitpunkt naturgemäß noch nicht, und ohne Netz hängt bzw. scheitert der Schritt.
Die Lösung war unspektakulär: ein Ethernet-Kabel anstecken. Damit lief die Installation ohne Murren durch. Wer sich das Theater sparen will, hängt bei einem Broadcom-Mac von Anfang an ein Kabel dran, statt auf das WLAN zu hoffen.
Der eigentliche Haken: WLAN
Nach der Installation dann das erwartete Bild: kein WLAN. Die Treiberverwaltung von Mint erkennt die Karte und schlägt einen Treiber vor —
Broadcom Inc. and subsidiaries: BCM4331 802.11a/b/g/n
broadcom-sta-dkms (Version 6.30.223.271-23ubuntu1.2)
— und schreibt im selben Atemzug daneben: „Dieses Gerät funktioniert nicht.“ Automatische Auswahl:„Dieses Gerät nicht verwenden." Ein Treibervorschlag, der sich selbst für untauglich erklärt. Genau mein Humor.
Der Grund: Der proprietäre broadcom-sta- bzw. wl-Treiber unterstützt viele
Broadcom-Chips — 4312, 4321, 43225, 4360 und so weiter — aber den BCM4331
gerade nicht. Der richtige Treiber für diesen Chip ist der quelloffene
b43. Und weil broadcom-sta beim Installieren den b43 per Blacklist
aussperrt, muss er erst weichen, bevor der richtige Treiber überhaupt eine
Chance bekommt.
Die Lösung
Mit noch angestecktem Ethernet-Kabel, in dieser Reihenfolge. Zuerst den Chip bestätigen:
lspci -nn | grep -i net
# erwartet: Broadcom ... BCM4331 [14e4:4331]
Den falschen Treiber entfernen — das hebt zugleich das b43-Blacklisting auf:
sudo apt purge broadcom-sta-dkms broadcom-sta-common
Die passende Firmware für b43 installieren (liegt im multiverse-Repo, bei
Mint standardmäßig aktiv):
sudo apt update
sudo apt install firmware-b43-installer
Neu starten — sauberer, als die Kernelmodule von Hand zu tauschen:
sudo reboot
Danach prüfen, ob alles greift:
rfkill list # WLAN darf nicht "blocked" sein
dmesg | grep -i b43 # sollte die geladene Firmware zeigen
nmcli device wifi list
Listet nmcli Netze auf, ist man durch. Bei mir war genau das der Fall:
Kabel raus, WLAN an.
Eine Regel bleibt: broadcom-sta in der Treiberverwaltung nie wieder
aktivieren. Das würde den b43 erneut blockieren, und man steht wieder am
Anfang.
Nachtrag: das überlebt Kernel-Updates
Ein angenehmer Unterschied zu manch anderer Treiber-Fummelei: b43 ist ein im
Kernel eingebauter Treiber, und die Firmware liegt fest unter
/lib/firmware/b43/. Anders als ein DKMS-Modul muss hier nach einem
Kernel-Update nichts neu gebaut werden — das WLAN läuft einfach weiter.
Und wie schnell ist die Kiste eigentlich?
Für die reale Web-Reaktion Speedometer auf browserbench.org —
das läuft ohne Installation im Browser auf jedem Gerät bis hin zum Smartphone. Der iMac von letztens: 9,87, das MacBook von heute: 6,63. Zum Vergleich mein (auch nicht mehr ganz frischer) MacMini M1: 25,2.
Der ehrlichste Blick auf die gefühlte Geschwindigkeit ist aber der
Platten-Benchmark: Bei Hardware dieses Jahrgangs ist nicht die CPU der große
Abstand zu heute, sondern die Festplatte. Aber das ist eine eigene Geschichte.
Mit KI-Unterstützung erstellt.