Das Jahr ohne Sommer


Eine neue Geschichte von Postschlumpf, Ferkel und Küken und dem Postboten und der Ente und Lisa

Es war ein warmer Julimorgen, als der Postbote die Kellertür öffnete und sofort das vertraute Leuchten sah. Der alte Schrank in der Ecke schimmerte hinter den verstaubten Briefsäcken in allen Farben – mal golden, mal tiefblau, wie ein Sonnenuntergang hinter Wolken.

Postschlumpf war als Erster unten. Er schob die alten Sachen beiseite und zog einen Brief hervor, der sich merkwürdig anfühlte – das Papier war rau, fast wie dünnes Holz, und roch nach Sägemehl und Herbstlaub.

Der Absender stand in eckiger, etwas zittriger Schrift in der Ecke: Karl Freiherr von Drais, Mannheim, 1817.

An den geneigten Leser,

ich weiß nicht, ob dieser Brief jemals jemanden erreicht. Aber ich schreibe ihn trotzdem, weil ich möchte, dass jemand versteht, wie es dazu kam.

Vor zwei Jahren brach irgendwo auf der Welt ein Vulkan aus – so gewaltig, dass der Himmel seitdem nicht mehr richtig hell wird. Der Sommer fiel aus. Die Ernte auch. Die Pferde verhungerten, weil es kein Gras und kein Getreide mehr gab. Wer noch ein Pferd hatte, konnte es sich kaum leisten, es zu füttern. Und ohne Pferd kommt man nicht weit.

Ich bin Erfinder von Beruf. Und ich dachte: Wenn es keine Pferde mehr gibt – was dann? Wie kommen Nachrichten von einer Stadt zur nächsten? Wie kommt die Post?

Also habe ich gebaut. Zwei Räder, einen Sattel, eine Lenkstange. Man sitzt oben und stößt sich mit den Füßen ab. Keine Pedale noch, das kommt vielleicht später. Aber man kommt voran – schneller als zu Fuß, ohne Pferd, ohne Hafer.

Ich nenne es Laufmaschine. Die Leute auf der Straße lachen, wenn ich vorbeifahre. Manche rufen mir nach. Aber ich bin schneller als sie.

Ich hoffe, dass diese Idee eines Tages nützlich ist. Auch wenn der Sommer wiederkommt.

Karl von Drais

Lisa las den Brief laut vor. Als sie fertig war, sagte Ferkel nachdenklich: „Ein ganzes Jahr ohne Sommer. Das klingt sehr traurig."

„Und sehr kalt", fügte Küken hinzu.

„Aber", sagte Postschlumpf und tippte auf die letzte Zeile, „daraus ist das Fahrrad entstanden."

Der Postbote lehnte nachdenklich an seinem gelben Fahrrad. „Stell dir vor. Ohne den Vulkan, ohne die verhungerten Pferde – vielleicht hätte Karl von Drais nie angefangen nachzudenken. Manchmal kommen die besten Ideen aus den schwersten Zeiten."

Die Ente schnatterte. Das klang zustimmend.

Sie schrieben eine kurze Antwort, steckten sie in den alten Schrank, ganz nach hinten ins Leuchten.

Karl von Drais

Lieber Herr von Drais,

Ihr Brief hat uns erreicht. Und wir können Ihnen sagen: Die Laufmaschine war der Anfang von etwas sehr Großem. Heute fahren Millionen von Menschen auf zwei Rädern – zur Arbeit, in die Schule, und ja: auch die Post wird damit gebracht. Ihr Fahrrad ist überall.

Die Menschen lachen nicht mehr.

Mit großem Respekt, Postschlumpf, die Ente, Lisa, Ferkel, Küken und der Postbote

Dann fuhren sie los in den Julimorgen – Postschlumpf mit blauem Helm auf der Lenkerstange, die Ente neben ihm, die Sonne warm auf den Gesichtern.

Postschlumpf dachte an Karl von Drais, der durch die Straßen von Mannheim gerollt war, während die Leute lachten.

Er war froh, dass er ein Fahrrad hatte - alles war sehr in Ordnung.


Der Vulkanausbruch des Tambora im April 1815 war der stärkste in der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte. Die Aschewolken verdunkelten den Himmel über weiten Teilen der Erde – 1816 wurde als „Jahr ohne Sommer" bekannt. Karl von Drais meldete seine Laufmaschine 1817 zum Patent an. Aus ihr entwickelte sich über die Jahrzehnte das moderne Fahrrad.


Diese Geschichte ist meine Idee und wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Lizenz: CC BY-NC 4.0 Die Geschichte darf geteilt und verwendet werden unter Nennung der Quelle (rickert.fr), aber nicht für kommerzielle Zwecke.