Eine Postschlumpf-Post-verbindet-alles-Story
Es war ein schwüler Augustmorgen, als der Postbote die Kellertür aufstieß und sofort das vertraute Leuchten sah. Der alte Schrank in der Ecke schimmerte hinter den verstaubten Briefsäcken in allen Farben. Diesmal war das Licht besonders lebhaft – fast ungeduldig, als wollte der Brief endlich gelesen werden.
Postschlumpf zog ihn hervor. Das Papier war dünn und leicht vergilbt, aber die Handschrift war kraftvoll und schnörkellos. Der Absender: Nellie Bly, irgendwo auf dem Pazifik, Januar 1890.
An wen auch immer dies liest,
ich schreibe diesen Brief auf einem Schiff mitten im Ozean, bei schwerer See und schlechtem Licht. Meine Hand zittert ein wenig – aber nicht vor Angst, sondern vor Aufregung.
Mein Name ist Nellie Bly, ich bin Journalistin. Vor einigen Wochen bin ich in New York aufgebrochen, um die Welt in weniger als 80 Tagen zu umrunden – schneller als Phileas Fogg in Jules Vernes Roman. Alle haben gesagt, das sei unmöglich. Eine Frau allein, ohne Begleitung, quer durch Europa, Ägypten, Ceylon, Hongkong, Japan und zurück? Unmöglich.
Ich bin trotzdem losgefahren. Mit einer einzigen kleinen Reisetasche.
Unterwegs habe ich aus jedem Land Berichte geschrieben und sie per Post nach New York geschickt – an meine Zeitung, die New York World. Aber ich weiß nicht, ob sie ankommen. Ob die Post sie rechtzeitig befördert. Ob überhaupt jemand sie liest.
Kommen meine Briefe an? Liest sie jemand?
Nellie Bly
Der Postbote legte den Brief beiseite und schaute auf sein gelbes Fahrrad. Dann lächelte er.
Sie schrieben eine Antwort, legten sie in den alten Schrank, ganz nach hinten ins Leuchten.

Liebe Nellie Bly,
Ihre Briefe sind angekommen. Alle.
Die New York World hat jeden einzelnen Bericht gedruckt. Die Menschen in New York haben auf Ihre Ankunft gewartet wie auf nichts anderes. Am 25. Januar 1890 haben Tausende die Zeitung gekauft, um zu lesen, dass Sie es geschafft haben – in 72 Tagen, 6 Stunden und 11 Minuten.
Ihre Artikel sind noch heute zu lesen. Die Bibliothek des amerikanischen Kongresses hat sie aufbewahrt, damit niemand vergisst, was Sie getan haben.
Die Post hat Sie nicht im Stich gelassen. Und Sie haben die Welt nicht im Stich gelassen.
Mit großem Respekt, Der Postbote, Postschlumpf und die Ente
Links zu Nellies Originalartikeln: Nellie Bly Online und Library of Congress
Dann fuhren sie los in den Augustmorgen.
Nellie Bly kam am 25. Januar 1890 in New York an – nach 72 Tagen, 6 Stunden und 11 Minuten. Sie hatte die Welt schneller umrundet als jeder Mensch vor ihr. Ihre Berichte, die sie unterwegs per Post nach Hause geschickt hatte, wurden in der New York World abgedruckt und machten sie weltberühmt.
Nellie Bly kämpfte ihr Leben lang für die Rechte von Frauen und für bessere Arbeitsbedingungen. Sie gilt als eine der ersten investigativen Journalistinnen der Geschichte.