Die Erfinderin, die niemand ernst nahm

Die Erfinderin, die niemand ernst nahm

Es war ein grauer Junimorgen, als der Postbote sein Fahrrad aus dem Schuppen schob und Postschlumpf bereits ungeduldig auf der Lenkerstange saß. Die Ente watschelte gemächlich hinterher, und Lisa kam mit Ferkel und Küken um die Ecke gebogen.

„Bevor wir losfahren", sagte der Postbote, „müssen wir kurz in den Keller."

Er hatte in der Nacht ein leises Leuchten unter der Kellertür gesehen. Das kannte er schon. Es bedeutete: Post.

Im alten Fahrradkeller stand, wie immer, der große hölzerne Schrank in der Ecke – mit den verstaubten Briefsäcken und den alten Stempeln darin. Und ganz hinten, hinter allem, das sanfte, bunte Schimmern des Portals. Diesmal lag davor ein cremefarbener Briefumschlag, mit schwarzer Tinte beschrieben, in einer eleganten, festen Handschrift.

Postschlumpf hob ihn auf. Der Absender stand in kleinen Buchstaben in der Ecke: H. Lamarr, Hollywood, Kalifornien.


An wen auch immer dies liest,

mein Name ist Hedy Lamarr. Die meisten Menschen kennen mich als Schauspielerin. Ich spiele in Filmen mit, mein Gesicht ist auf Plakaten zu sehen, und die Zeitungen schreiben über meine Kleider.

Aber das ist nicht, was ich Ihnen erzählen möchte.

Ich bin auch Erfinderin. Zusammen mit meinem Freund George Antheil habe ich ein Verfahren entwickelt, das wir „Frequenzsprung" nennen. Die Idee ist einfach: Ein Funksignal springt blitzschnell zwischen verschiedenen Frequenzen hin und her – so schnell, dass niemand es abfangen oder stören kann. Eine sichere, zuverlässige Art, Nachrichten durch die Luft zu schicken. Wir waren sehr stolz darauf und haben überall davon erzählt.

Die Menschen haben gelacht.

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